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Sulfit im Wein

Neuer Zusatz in deutschen Weinen?

Um es gleich vorweg zu schicken: Schwefeldioxid (SO2), das dem Wein zugesetzt wird, ist ein Stoff, der schon seit der Antike in der Weinbereitung bekannt ist und eine wichtige Rolle spielt. Er hilft die Weine umfassend zu schützen und zu konservieren. Neu ist nur, dass entsprechend einer Änderung der EU-Lebensmittelkennzeichnungsrichtlinie seit dem 25. November 2005 mögliche allergieauslösende Zutaten gekennzeichnet sein müssen. Damit muss auf allen in- und ausländischen Weinen, die eine Konzentration von mehr als 10 mg/l Schwefeldioxid enthalten, der Hinweis stehen: „Enthält Sulfite“ oder „Enthält Schwefeldioxid“.
Bezüglich des Warnhinweises werden Schwefeldioxid und Sulfit synonym verwendet. Schwefeldioxid (SO2) ist ein Gas, das in Wasser aufgelöst häufig als schweflige Säure bezeichnet wird. Die Salze der schwefligen Säure sind die Sulfite. Grenzwerte werden in Schwefeldioxid angegeben. Sulfit ist in Schwefeldioxid umzurechnen.

Der Warnhinweis gilt auch für Perlwein, Schaumwein, Sekt und alle weiteren Erzeugnisse die unter das Weinrecht fallen, z.B. Punsch oder Glühwein.
 

In diesem Beitrag finden Sie

  1. 1. Warum wird SO2/Sulfit dem Wein zugegeben?
    2. Wie wirken SO2/Sulfit im Körper
    3. SO2/Sulfit und Allergien
    4. Kennzeichnung von SO2/Sulfit
    5. SO2/Sulfit und Verbraucherschutz
    6. Mehr zum Thema

1. Warum wird SO2/Sulfit dem Wein zugegeben?

SO2 erfüllt in Weinen folgende Zwecke:

  • · Schutz vor nachteiligen Veränderungen durch Luftsauerstoff (Antioxidationsmittel)
  • · Schutz vor dem Angriff unerwünschter Mikroorganismen (Konservierungsmittel)
  • · Maskierung (Bindung) geschmacklich negativer Gärungsnebenprodukte (z.B. Acetaldehyd) und damit Förderung der sensorischen Reintönigkeit
  • In einem Wein gibt es also freies SO2 und gebundenes SO2, wobei nur das freie SO2 eine Schutzfunktion für den Wein innehat. Die Menge an Gesamtschwefeldioxid (also der Summe aus gebundenem und freiem SO2), die ein Wein enthalten darf, ist durch eine EU-Verordnung begrenzt. Sie hängt von der Weinart, der Qualitätsstufe und dem Zuckergehalt ab.
  • Tabelle: Höchstgehalt an Gesamtschwefeldioxid

     

    Rotwein

    Weißwein, Rosè, Rotling

    Wein, Perlwein, mit weniger als 5 g Restzucker/Liter

    160 mg/l

    210 mg/l

    Wein, Perlwein, mit mehr als 5 g Restzucker/Liter

    210 mg/l

    260 mg/l

    Qualitätswein mit Prädikat Spätlese, mit mehr als 5 g Restzucker/Liter

    300 mg/l

    Auslese mit mehr als 5 g Restzucker/Liter

    350 mg/l

    Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein mit jeweils mehr als 5g Restzucker/Liter

    400 mg/l

    Schaumwein

    235 mg/l

    Sekt

    185 mg/l

    Diabetikerwein

    150 mg/l

    Jeder Wein enthält natürlicherweise SO2. Es wird in geringen Konzentrationen (bis zu 40 mg/l) unter normalen physiologischen Bedingungen von Saccharomyces-Hefen bei der Gärung gebildet.
    Einen „Schwefelfreien Wein“ gibt es demnach nicht.

    2. Wie wirkt SO2/Sulfit im Körper

    Im Körper werden beim Abbau von Eiweiß aus der Nahrung täglich mehr als 2000 mg SO2 gebildet (endogen). Dieses wird dann mit Hilfe von Enzymen, den so genannten Sulfitoxidasen, zu nicht reaktionsfähigem Sulfat oxidiert und als solches ausgeschieden.
    Im Vergleich zum endogen gebildeten SO2 ist die über Wein zugeführte Menge gering. Wenn man von der durchschnittlichen Verzehrsmenge von ca. 50 ml Wein/Sekt pro Person und Tag (Bayerische Verzehrsstudie 2002/2003) ausgeht und einen Gehalt an gesamtem SO2 von 200 mg/l zu Grunde legt, werden durch Wein/Sekt durchschnittlich 10 mg SO2 pro Tag aufgenommen.
    Neben Wein und Sekt enthalten auch andere Lebensmittel SO2/Sulfite:
    Trockenfrüchte bis max. 2000 mg/kg, Meerrettich-Masse, Frucht und Gemüsezubereitungen,
    Kartoffelgerichte, Marmeladen/Konfitüren bis zu 50 mg/kg (Ausnahme: Konfitüre extra oder Gelee extra dürfen kein SO2 enthalten), Knabbererzeugnisse auf Kartoffel- oder Getreidebasis bis 50 mg/kg usw.

    3. SO2/Sulfit und Allergien

    Der Mensch reagiert sehr unterschiedlich auf Sulfite. Bei sehr empfindlichen Menschen führen schon kleine Mengen in kurzer Zeit zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Nesselsucht usw. Das Risiko des Auftretens von Unverträglichkeitsreaktionen bei sulfitempfindlichen Personen, vor allem Asthmatikern, ist erhöht. Es werden sowohl echte Allergien als auch Lebensmittelintoleranzen (auch als Pseudoallergien bezeichnet) beobachtet.
    Die Deutsche Weinakademie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Daten zur „Sulfit-Asthma-Thematik“ äußerst uneinheitlich sind. Diesbezügliche Studien werden von den Autoren unisono dahingehend bewertet, „dass die Rolle von Sulfit und/oder Wein in der „Asthma-Allergie-Problematik“ überschätzt wird.“
    In diesem Zusammenhang besteht daher noch weiterer Forschungsbedarf!
    Die Schwellendosis für die Sulfitaufnahme, ab der bei nicht sulfitempfindlichen Personen akute Gesundheitsbeschwerden auftreten, lässt sich laut Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) nicht genau nennen. Das BfR zitiert eine Studie mit kleiner Personenzahl, in welcher die Probanden eine orale Aufnahme von 400 mg Schwefeldioxidäquivalent ohne unerwünschte Wirkungen vertrugen. Eine andere Untersuchung hat laut BfR ergeben, dass regelmäßige orale Sulfitdosen, äquivalent zu weniger als 250 mg Schwefeldioxid/Person, Brechreiz auslösten.
    Der bestehende
    ADI (Acceptable Daily Intake)-Wert liegt bei 0,7 mg/kg Körpergewicht und Tag. Ein 70 kg schwerer Mensch kann also lebenslang 49 mg Schwefeldioxid pro Tag aufnehmen, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen. Diese Menge wird bereits durch den Genuss eines Viertel Liter Weins erreicht, der 200 mg/l Gesamtschwefelsäure enthält.
    Der geringe ADI-Wert ist nach Angaben der Deutschen Weinakademie vorwiegend dadurch begründet, dass Sulfite in der Nahrung Vitamin B1 (Thiamin) sowie Folsäure zerstören und Mangelsymptome dieser Vitamine hervorrufen können. Derartige Reaktionen, so die Deutsche Weinakademie weiter, sind bei der Nahrungsaufnahme und gleichzeitigem Weinkonsum nicht zu erwarten.

    4. Kennzeichnung von SO2/Sulfit

    Für Weine, Perlweine, Schaumweine, Sekte und alle weiteren Erzeugnisse, die unter das Weinrecht fallen (z.B. Punsch oder Glühwein) gilt folgende Regelung: Wenn sie nach dem 25. November 2005 abgefüllt werden/wurden und mehr als 10 mg/l SO2 enthalten, müssen sie auf dem Etikett folgenden Vermerk tragen:

    Enthält Sulfite oder Enthält Schwefeldioxid

    Dieser Hinweis muss nicht im gleichen Sichtbereich wie die obligatorischen Angaben Alkoholgehalt, Nennfüllmenge und Verkehrsbezeichnung erscheinen.

    Er muss aber leicht lesbar und unverwischbar sein sowie in ausreichend großen Schriftzeichen angebracht werden, so dass er sich deutlich abhebt.
    Da es sich um eine gesundheitsrelevante Angabe handelt, verlangen die meisten Mitgliedstaaten der EU eine entsprechende
    Kennzeichnung in der jeweiligen Landessprache.
    Die Kennzeichnungspflicht gilt nur für Behältnisse und Verpackungen! Auf Getränkekarten ist diese Angabe nicht erforderlich (gemäß §1 der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung).

    5. SO2/Sulfit und Verbraucherschutz

    Alle Qualitätsweine und Qualitätsweine mit Prädikat (z.B. Kabinett, Spätlese…) brauchen in Deutschland eine amtliche Prüfnummer, bevor sie in den Handel gelangen. Um diese Nummer zu bekommen, muss der amtlichen Stelle, die die Prüfnummer vergibt, ein Untersuchungsbefund vorgelegt werden, in dem u. a. der Gehalt an gesamter schwefliger Säure ausgewiesen ist. Dadurch wird die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenzen kontrolliert. In Bayern gibt es noch eine Besonderheit: Alle Qualitätsweine mit Prädikat müssen in einer staatlichen Stelle, dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, untersucht werden.
    Diese amtliche Qualitätsweinprüfung ist ein Paradebeispiel für vorbeugenden Verbraucherschutz, denn Weine, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, kommen gar nicht erst in den Handel.

    6. Mehr zum Thema

  • Wenn Sie individuelle Auskünfte im Bereich Ernährung und Lebensmittelsicherheit wünschen, finden Sie hier eine Liste an Anlaufstellen.
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